In keltisch-römischer Zeit entstanden überall im Land zahlreiche kleinere und größere Siedlungen, die oft gerade dort angelegt wurden, wo man in unmittelbarer Nähe die für das Römische Imperium so wichtigen Bodenschätze abbauen und verarbeiten konnte. Das trifft wohl auch auf jenes längst verschwundene Dorf zu, das sich vor rund 2.000 Jahren in einem Waldstück bei Wiesenau befand.Die ersten Hinweise auf das “versunkene Dorf” sind dem Archäologen Hans Dolenz zu verdanken. Dolenz bemerkte im Bereich des so genannten “Galgenbichls”, wo der Klieninger Graben seinen Anfang nimmt, eigenartige, unnatürliche Bodenformen, von denen einige den Eindruck von Hügelgräbern erweckten, die in ihrer Gesamtheit aber nur mit dem alten Goldbergbau in Kliening in Zusammenhang stehen konnten.
1956 wurde beim Abbau von Schottermaterial festgestellt, dass die von Dolenz zwar schon früher bemerkten, aber nicht genauer untersuchten Hügel tatsächlich aus losen Geröllsteinen bestanden, die man im 16. Jahrhundert beim Abbau goldhältiger Sandablagerungen des Klieningbaches zur Seite geräumt hatte. Zwischen dem tauben Material fand man zahlreiche Marmorquader, Bruchstücke von Inschriftentafeln, Reliefs und Skulpturen, die aus keltisch-römischer Zeit stammen.Den Archäologen war bald klar, dass man in Wiesenau ganz zufällig auf ein antikes Gräberfeld aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. gestoßen war. In den folgenden Wochen und Monaten wurden zahlreiche Funde sichergestellt und zur genaueren Erforschung in die Landeshauptstadt Klagenfurt gebracht. St. Leonhard, das für die archäologische Erforschung Kärntens bisher kaum eine wirkliche Rolle gespielt hatte, galt plötzlich als Zentrum der frühen Besiedelung des oberen Lavanttals.
Zahlreiche Inschriftentafeln mit römischen und keltischen Namen bekunden, dass in Wiesenau oder Umgebung eine antike Siedlung größeren Ausmaßes bestanden haben muß. Aus den Inschriften geht jedenfalls eindeutig hervor, dass es sich bei den Bestatteten hauptsächlich um Einheimische handelte. Zahlreiche Siedlungsbewohner gehörten dem Sklavenstand an.
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