Sonntag, 9. August 2009

Die Schwefelheilquelle im Detail

Die Schwefelquelle entspringt am Fuße des Kreuzberges in der Mitte eines gemauerten Beckens, fließt von dort direkt in einen Sammelbehälter und wird über eine mehr als 100 Meter lange Gefällestrecke in das Kurhaus geleitet. Seit Jahrzehnten ist die schwefelhältige Quelle als natürliches Heilvorkommen anerkannt. Die Quelle und das ehemalige Kurhaus werden schon in österreichischen Bäderbüchern von 1914 und 1928 genannt.

Die erste chemische Analyse des St. Leonharder Schwefelwassers hat 1910 F. Wenzel durchgeführt. Demnach betrug die Wassertemperatur damals rund 16 Grad Celsius, während spätere Untersuchungen nur noch einen Durchschnittswert von rund 10 Grad Celsius erbrachten, weshalb die Schwefelquelle als „kalte Quelle“ bezeichnet wird.

Das Quellwasser, das hohe Prozentsätze Schwefelwasserstoff und Hydrokarbonat aufweist, wird in allen Kontrollanalysen als klar, farblos und ohne Bodensatz beschrieben. Der charakteristische intensive Geruch nach Schwefelwasserstoff und der unangenehme, leicht süßliche Geschmack verflüchtigen sich erst nach einigen Wochen Aufbewahrung im Labor.

Der Hauptgrund für die Anerkennung als Heilvorkommen ist der relativ hohe Gehalt an titrierbarem Schwefel, der mit rund 5 mg/kg den für Schwefelquellen geforderten Mindestgehalt von 1 mg/kg bei weitem übertrifft. Ein weiteres Argument ist die hinreichende Schüttung von rund 240 hl Schwefelwasser pro Tag.

Neben dem relativ konstanten Schüttungswert, der nach langjährigen Beobachtungen lediglich eine Schwankungsbreite von rund 1 Prozent aufweist, ist auch die außerordentliche Konstanz der Wasserzusammensetzung im Beobachtungszeitraum von fast 100 Jahren bemerkenswert. Besonders positive Auswirkungen des St. Leonharder Schwefelwassers sind nach ärztlicher Meinung vor allem bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, vor allem bei Muskelrheumatismus, bei Neuralgien und bei Gicht zu erwarten. Empfohlen wird die Anwendung des gesunden Wassers auch bei allergischen Hautreaktionen, bei chronischen Ekzemen und bei Akne. Günstige Wirkungen sind auch bei der Behandlung von Durchblutungsstörungen zu erwarten.



Das alte Kurhaus gibt es heute nicht mehr.
Quelle: Werner M. Thelian: "Bad St. Leonhard – Stadt mit Geschichte und Kultur", Bad St. Leonhard 1995.

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