Dienstag, 4. August 2009

Switbert Lobisser (1878 – 1943)

Der in Tiffen in Kärnten geborene Switbert Lobisser (1878 – 1943) hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Lavanttal aus neue Maßstäbe für die Bildende Kunst gesetzt. Lobisser trat 1899 in das Benediktinerstift St. Paul ein und studierte von 1904 bis 1908 im Auftrag des Stiftes an der Wiener Akademie. Als ausgebildeter Zeichenlehrer kehrte er nach St. Paul zurück, um dort bis 1932 als Benediktinermönch, Leiter des Forstamtes und Lehrer am Stiftsgymnasium zu wirken. Lobisser, der vom Studium der Natur begeistert war, machte sich ab 1917 mit Ölbildern, Aquarellen und Zeichnungen, v.a. aber mit Holzschnitten und monumentalen Wandbildern einen Namen. Er schuf Fresken für das Benediktinerstift St. Paul, den Klagenfurter Dom, das Kärntner Landhaus und zahlreiche Kirchen, private und öffentliche Gebäude.

1932 verließ Lobisser den Benediktinerorden und das Lavanttal, um fortan in Klagenfurt ein weltliches Leben zu führen. Nach dem tragischen Tod seiner Lebensgefährtin Eva widmete er sich ausschließlich der Kunst und näherte sich immer mehr der nationalsozialistischen Ideologie. Lobissers Schaffen, das sich seit jeher an den Werken der altdeutschen Meister orientierte, die Geheimnisse der Natur zu umschreiben versuchte und dem bäuerlichen Realismus huldigte, passte in das Konzept der nationalsozialistischen Machthaber. Sie erkannten in Lobissers Werken "für ein neues völkisches Bewusstsein relevante Themen, wie Mythos der Scholle, Saft und Kraft des gesunden Bauernstandes, Verherrlichung der Mütter." (Artur Hanzer: Switbert Lobisser, 1982/83).

Tatsächlich spiegeln die Werke seiner späten Jahre die nationalsozialistische Ideologie ebenso wider wie die Zwiespältigkeit und Zerrissenheit, die sich wie ein roter Faden durch sein Leben und Schaffen ziehen. Switbert Lobisser starb am 1. Oktober 1943 in Klagenfurt.
Auch Jahrzehnte nach seinem Tod sorgt Lobisser für Diskussionen. Während das berühmte Fresko über die Kärntner Volksabstimmung, das er in den späten zwanziger Jahren im Kärntner Landhaus (im heutigen Sitzungssaal des Landtages) als Bekenntnis zu Österreich schuf, bisher unumstritten war, wurden im Jahr 2000 auch die hinter der Holzvertäfelung des Saales verborgenen "Hakenkreuz-Fresken" Lobissers "wiederentdeckt". Sie sind eine Auftragsarbeit aus dem Jahr 1938 und verherrlichten den Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland. Nach Kriegsende wurden sie von den Engländern übertüncht und später hinter einer Holzvertäfelung zusätzlich verborgen. Im Juni 2000 traten alle im Kärntner Landtag vertretenen politischen Parteien, namhafte Kunsthistoriker und das Bundesdenkmalamt dafür ein, die Fresken aus dem Landhaus zu entfernen, aber an einem anderen Ort als "Dokument der Zeitgeschichte" zu erhalten.
Alle Rechte: www.wmtprojekte.at

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen