Montag, 21. Januar 2013

Vor 113 Jahren:
Eisenbahnstrecke Wolfsberg - Zeltweg eröffnet

 


Das 20. Jahrhundert war noch keine drei Wochen alt, als der „Lavantthaler Bote", die späteren „Unterkärntner Nachrichten", in der Ausgabe vom 17. Jänner 1900 sein Publikum mit folgender Schlagzeile lockte: „Bahnlinie Wolfsberg – Zeltweg eröffnet". Eine Botschaft, die wohl geeignet war, noch mehr Lavanttalerinnen und Lavanttaler als sonst zum Kauf des regionalen Nachrichtenblattes zu bewegen:

„Am 10. Jänner d. J. wurde die neu erbaute Eisenbahnlinie Zeltweg - Wolfsberg dem öffentlichen Verkehr übergeben. Durch diese Tatsache haben die Bestrebungen und Wünsche, welche sich auf ein halbes Menschenalter zurückdatieren, ihre endliche Verwirklichung gefunden. Die soeben vollendete Bahnlinie bildet ein wichtiges Glied der im Zusammenhange mit der ebenfalls neuerbauten Linie Unterdrauburg – Wöllan geschaffenen direkten Eisenbahn-Verbindung zwischen Zeltweg und Cilli."

Der Fotograf aus Wolfsberg, der die schwarze, blank polierte Dampflokomotive und ihre Waggons durch die verschneite Lavanttaler Winterlandschaft begleitete, hielt das historische Ereignis mit seiner Kamera für die Zeitung und die Nachwelt fest – ein Ereignis, das wie kaum ein anderes geeignet war, die Menschen in den Dörfern und Städten entlang der neuen Bahnlinie davon zu überzeugen, dass die moderne Zeit nun endgültig auch bei ihnen angekommen war.

Der Siegeszug der Eisenbahn

Das Transportmittel Eisenbahn, das sich seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf seinem Siegeszug durch die moderne Welt befand, galt den Zeitgenossen als Vorreiter einer neuen, vor allem von technischen Errungenschaften geprägten Zeit. Mit der Eisenbahn, das wusste jeder, schrumpften die Distanzen, und die Welt und die Menschen rückten ein gutes Stück näher zusammen. Und mehr noch: Eisenbahnverbindungen brach­­ten einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich. Damit hatte man schon drei Jahrzehnte zuvor argumentiert, als ab 1868 öffentlich über die Schaffung einer „Lavanttalbahn" diskutiert wurde.
 

Angestoßen wurde das Projekt vom sogenannten „Graf Henckel Donnersmarck‘schen Consortium", das sich auch in Wien darum bemühte, das ehrgeizige Vorhaben voranzubringen. Nach monatelanger Diskussions- und Planungsphase einigte man sich schließlich darauf, eine Eisenbahnverbindung zwischen der Obersteiermark und Cilli (heute Celje in Slowenien) in Angriff zu nehmen.
 
Dieses große Eisenbahnprojekt, das auf die wirtschaftlichen Interessen der Obersteiermark, Kärntens und der südlicheren Regionen der Monarchie ausgerichtet war, sollte auch die Anbindung des Lavanttales an den internationalen Eisenbahnverkehr ermöglichen. Vorrangig dachte man an die Erschließung der Lavanttaler Kohlevorkommen, an die Erzeugnisse der eisenverarbeitenden Industrie in Kärnten und der Steiermark und an die industriellen und landwirtschaftlichen Güter aus dem Süden.
 
Die Strecke, die zunächst noch als Schmalspurbahn konzipiert war, wurde nach einem im März 1876 verabschiedeten Staatsgesetz als Normalspurbahn umgesetzt. Der 38 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen Unterdrauburg und Wolfsberg konnte am 4. Oktober 1879 in Betrieb genommen werden. Nach der Fertigstellung der Abschnitte Cilli – Wöllan und Wöllan – Unter­drauburg konnte man schließlich daran gehen, den letzten noch zu überwindenden Streckenabschnitt zwischen Wolfsberg und Zeltweg zu verwirklichen.
 
Am 22. Juni 1897 erhielten die Lavanttaler „Konzessionäre", die sich jahrelang für die Verwirklichung dieses Abschnittes eingesetzt hatten, die Bewilligung für den Streckenbau und übertrugen die Ausführung dem k.u.k.-Eisenbahnminis­terium, das in Wolfsberg die Oberbauleitung einrichtete. Nach der Ausarbeitung der Detailpläne konnte im Juli 1898 in Zeltweg mit dem Bau der Strecke begonnen werden. Von der Bahnstation Zeltweg aus, die man kurz zuvor erweitert hatte, wurden die Gleise zunächst bis zum Pölsbach und von dort aus weiter nach Süden verlegt. Nach fast genau eineinhalbjähriger Bauzeit war die Dis­tanz zwischen Zeltweg und Wolfsberg endlich überwunden und ein wirtschaftlicher Meilenstein für die Bevölkerung gesetzt.
 
Die Bahnlinie Zeltweg – Wolfsberg, für die man neue Lokomotiven, Güter- und Personenwagen angeschafft hatte, wies eine Länge von 50,4 Kilometern auf. Davon lagen 22,6 Kilometer auf steirischem und 27,8 Kilometer auf Kärntner Boden. Am Tag der Eröffnung wurde stolz verkündet, dass von den Planern, Ingenieuren und Bahnarbeitern an 432 Arbeitstagen insgesamt rund 1.145.000 Arbeitsstunden geleistet wurden. Davon entfielen 874.700 auf die sogenannten „Handlanger", der Rest auf die „Professionisten". Neben den menschlichen Arbeitskräften kamen auch Tausende Zugtiere beim Streckenbau zum Einsatz. Die Gesamtkosten des Projektes wurden damals mit rund 8,4 Millionen Kronen beziffert. Eine stolze Summe, die aber im Hinblick auf die wirtschaftliche Bedeutung der neuen Eisenbahnlinie kaum jemand in Frage stellte.
 
Die Waren der heimischen Industrie- und Wirtschaftsbetriebe, vor allem Eisen, Kohle und Holz, konnten nun in ungleich größeren Mengen und weitaus kostengünstiger an entfernte Bestimmungsorte transportiert werden. Schon im Eröffnungsjahr der Eisenbahnstrecke Wolfsberg – Zeltweg wurden 41.000 Tonnen Kohle und 40.000 Tonnen Holz über den neuen Streckenabschnitt transportiert.
 
Auf der Eisenbahnstrecke durch das Lavanttal waren zunächst vor allem kleinere Dampflokomotiven der Bauart C unterwegs, die bei einem Eigengewicht von rund 29 Tonnen und einem Fassungsvermögen von rund 1 Tonne Kohle und 3 qm³ Wasser eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h erreichten.